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Themenbeitrag von Personalvorstand Andreas Unger: Warum muss Wertschätzung künftig in der Führung noch größeren Raum einnehmen?

Wertschätzung ist eine Haltungsfrage. Das heißt: Wie ist meine innere allgemeine Haltung anderen Menschen gegenüber? Unabhängig von dem, was der andere in Form von Leistung oder Taten erbracht hat; vielmehr getragen durch Respekt, Interesse, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit. Das war schon immer so und ist keine neue Erfindung.

Aber warum wird Wertschätzung künftig noch größeren Raum in Anspruch nehmen?

Von Mitarbeitern wird eine immer größere Flexibilität innerhalb und außerhalb des „Jobs“ erwartet. Das wird durch die Nutzung der sozialen Medien/Netzwerke befeuert und die ständige Verfügbarkeit durch Laptops und Mobiltelefone zusätzlich strapaziert. Das könnte Führungskräfte dazu verführen entsprechende Leistungen von MitarbeiterInnen über Gebühr in Anspruch zu nehmen

Manch einer gefällt sich selbst in der Rolle des Gefragten, wobei das dienstliche Handy die Wichtigkeit seiner Person im Unternehmen zu dokumentieren scheint. Andere nutzen bewusst das Handy, um auch außerhalb des Dienstes den Job zu organisieren. Das heißt: Die Motivation, mit dem Medium umzugehen, ist durchaus unterschiedlicher Natur.

Die meisten Menschen sehnen sich nach Lob und Anerkennung. Wenn ich also immer öfter für meinen Chef verfügbar bin, erwarte ich auch häufiger Lob und Anerkennung. Nun ist das mit Lob und Anerkennung keine Selbstverständlichkeit, weil, wie oben erwähnt, es sich hierbei um eine Haltungsfrage handelt. Denke ich als Führungskraft in den Strukturen, dass mein Lob an den Mitarbeiter mit der Gehaltszahlung hinreichend gewürdigt ist, werde ich wohl dem Bedürfnis nach positiv empfundener Nähe = Wertschätzung eher nicht entsprechen.

Kann ich mir diese Haltung künftig wirklich noch erlauben?

Vor dem Hintergrund der alarmierenden Zahlen zum Thema Burnout-Erkrankungen, nimmt die Frage nach der Rolle von Wertschätzung eine neue Dimension an. Die nachfolgend angeführte Statistik (Statista 2017) verdeutlicht die Steigerungsraten von Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tage) aufgrund von Burnout-Erkrankungen der Jahre 2004-2015. Diese betragen im Vergleich von 2004 zu 2015 in der Spitze über 1000%. Bei der durchschnittlichen Anzahl von AU-Tagen im Jahr 2015  kamen auf  je 1000 AOK-Mitglieder durchschnittlich 101,6 AU-Tage aufgrund von Burnout-Erkrankungen (siehe Abbildung).

Mangelnde Wertschätzung gilt allgemein als eine der Hauptursachen für Burnout-Erkrankungen. Dies belegen zahlreiche Quellen, insbesondere die TK-Stressstudie aus dem Jahr 2016.

Durch die immer stärker entpersonalisierten Gespräche als Folge von digitalen Prozessen, kommt es zu immer weniger persönlichen Begegnungen, bei denen wertschätzende, direkte Kommunikation möglich ist. Die noch übrig gebliebenen, wenigen unmittelbaren Gespräche sollten von Führungskräften als Chance genutzt werden, um Lob und Anerkennung direkt auszusprechen.

Wertschätzung ist somit keine Sozialhygiene, sondern unter anderem auch eine von Führungskräften gelebte Fürsorge, die der Gesundheit der Mitarbeiter dienlich sein soll. Aufgrund von erwarteter steigender Flexibilität an das Anforderungsprofil von MitarbeiterInnen, werden sich die Sehr-Guten unter ihnen flexibel zeigen und bei mangelnder Wertschätzung flexibel den Arbeitgeber wechseln.