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Digitalisierung Teil I – Auswirkungen auf die M&A Strategie von Unternehmen

Der Megatrend Digitalisierung verändert Wertschöpfungsketten und bewährte Geschäftsmodelle und bringt Wettbewerber hervor, an die vor ein paar Jahren noch nicht zu denken war.
„Facebook, die größte Social-Media-Plattform, generiert keine Inhalte. SocietyOne, eines der am schnellsten wachsenden Finanzinstitute, verfügt über kein eigenes Geld. Uber, das größte Taxiunternehmen der Welt, besitzt keine eigenen Autos. Airbnb, der größte Vermittler von Unterkünften, verfügt über keine eigenen Immobilien“ (Quelle: IDW)
Der Megatrend Digitalisierung macht auch vor dem M&A Bereich nicht halt. Auswirkungen der Digitalisierung bringen neue Herausforderungen für den M&A Prozess, aber auch Unternehmen müssen ihre M&A Strategie überdenken. Im ersten Artikel zum Thema Digitalisierung sollen die Auswirkungen auf die Corporate M&A Strategie näher betrachtet werden.


1. M&A Strategie der Unternehmen
M&A bietet Unternehmen eine gute Möglichkeit, sich den Herausforderungen der Digitalisierung anzunehmen und durch Akquisitionen die Digitalisierung des eigenen Unternehmens voranzutreiben. Durch einen strategischen Zukauf im digitalen Bereich können ggf. neue Kompetenzen erworben werden, die das Unternehmen selbst nicht besitzt und welche neue strategische Möglichkeiten eröffnen. Laut einer Bain Studie sehen 75% der befragten europäischen M&A Manager die Digitalisierung als einen Faktor, der die M&A Strategie der Unternehmen signifikant verändern wird und nur 11% der Befragten sehen sich als gut vorbereitet für diese Veränderung.

Quelle: „The Changing Rules for Digital M&A“, Bain & Company, 2017


Als wichtigsten Faktor, um sich erfolgreich an die Herausforderungen der Digitalisierung anzupassen, sehen die Befragten eine klar formulierte Digitalisierungsstrategie des Unternehmens. Eine einmalige Akquisition wird die Digitalisierung eines Unternehmens noch nicht voranbringen, vielmehr bedarf es eines „konsistenten und wiederholbaren Konzepts“. Weiterhin sollten die Unternehmen im Detail analysieren, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Wertschöpfungskette ihrer Industrie haben kann und welche Kompetenzen z.B. durch Akquisition erworben werden können, um die eigene Marktposition im Wettbewerb zu stärken. Der Einsatz eines Teams von unternehmensinternen und –externen Digitalisierungsexperten kann hierbei hilfreich sein.

Quelle: „The Changing Rules for Digital M&A“, Bain & Company, 2017


2. Praxisbeispiel
Ein Unternehmen, dem es durch eine gezielte Transaktionsstrategie erfolgreich gelungen ist, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern, ist Siemens.
Siemens hat durch mehrere Transaktionen in den letzten 10 Jahren kontinuierlich digitale Kompetenz erworben und dadurch die eigene Wettbewerbsposition gegenüber Konkurrenten wie General Electric soweit gestärkt, dass das Unternehmen mittlerweile einer der führenden Anbieter weltweit im Bereich Industrieautomation ist.
Ziel der Übernahmestrategie von Siemens war es u.a., die Fertigung mit der virtuellen Produktentwicklung zu verbinden. Insgesamt wurden für die Übernahmen (ausgewählte Transaktionen siehe Grafik) ca. 10 Mrd. USD investiert.

Quelle: “Positives Umfeld für M&A, LBBW Corporate Finance Fokus, 2017


Am Beispiel Siemens wird deutlich, wie eine kontinuierliche Digitalisierungsstrategie eines Unternehmens zum Erfolg führen kann. So wurde über mehrere Jahre ein kontinuierlicher Zukaufsprozess angestossen, im Rahmen dessen kontinuierlich potenzielle Übernahmekandidaten auf ihre Verbesserung der digitalen Position von Siemens hin evaluiert wurden. Die Folge waren eine Reihe von Übernahmen. 
Die hohen Bewertungen der Übernahmeobjekte (z.B. wurde für Mentor Graphics das 3,5 fache des Umsatzes, ein EV/EBITDA Faktor von 14,5 gezahlt), konnten durch die hohen Synergieeffekte (>100 Mio. Euro bei der Mentor Graphics Übernahme) und die verbesserten Wachstumspotenziale für Siemens gerechtfertigt werden.
Nicht nur die M&A Strategie von Unternehmens wird sich an die Digitalisierung anpassen, auch der M&A Prozess an sich wird sich verändern, was wir im Teil II zum Thema Digitalisierung näher beleuchten.


Quellen:
 Bain & Company (A. Leroi, L. Miles, E. Spaulding and L.-P. Baculard): The Changing Rules for Digital M&A, 2017
 IDW Positionspapier zu den Auswirkungen der Digitalen Transformation auf Finanzberichterstattung und Unternehmensbewertung (Stand: 17.10.2017)
 M&A Review: Synergiemanagement 4.0 – Wertmaximierung durch Digitalisierung, Jahrgang 28, 12/2017
 LBBW Corporate Finance Fokus: Positives Umfeld für M&A, 29.09.2017